Sprecher Dietmar Wunder im Interview!

Liebe Bücherwürmer!

Nun ist die Buchmesse wieder ein paar Wochen her und der Messeblues hat sich etwas gelegt. Ich habe auf der Frankfurter Buchmesse wieder viele liebe Menschen und spannende Autoren treffen dürfen. Was mich als Hörbuchjunkie natürlich immer brennenden interessiert: Wer sind eigentlich die Menschen hinter den wundervollen Stimmen, die uns die Geschichten so spannenden erzählen?

Ich durfte Dietmar Wunder, den Sprecher von „Oxen – Das erste Opfer„von Jens Henrik Jensen treffen und ihm ein paar Fragen stellen….

Hallo Herr Wunder. Was haben Sie bisher auf der Frankfurter Buchmesse gemacht? Was war bisher Ihr Highlight, oder freuen Sie sich noch auf einen bestimmten Termin?

Ich bin erst vor 2 Std. angekommen, d.h. ich hab leider noch nicht so viel auf der Buchmesse erleben können. Was ich immer wieder faszinierend finde ist, wie viele Menschen hier sind und sich für Literatur interessieren und dass ganz viele Menschen hier mit einem Lächeln über die Messe gehen und sehr interessiert aufnehmen, was hier präsentiert wird. Alleine das ist schon ein schönes Erlebnis für mich. Worauf ich mich freue, ist natürlich jetzt unsere Präsentation von „Oxen“ mit Jens Henrick Jensen, da bin ich sehr gespannt drauf.

Das glaube ich! Es ist nochmal etwas ganz anderes, wenn man den Autor persönlich kennenlernen kann.

Klar! Wenn ich jetzt als Vorleser ein Buch einlese, dann ist es natürlich meine eigene Interpretation und wenn ich dann den Autor kennenlerne, ist es erst mal aufregend zu erfahren, was er sich vorgestellt hat. Ganz oft ist es ein unheimlich tolles Miteinander, weil er sich überlegt wie sein Text präsentiert wird und dann eine Gemeinschaftsarbeit entsteht, das ist immer besonders schön.

Sehr schön war zum Beispiel der enge Austausch mit Thomas Thiemeyer. Wir haben uns vor Veröffentlichung seines ersten Debüts kennengelernt; beim zweiten Teil sagte er mir: „Als ich dich auf der Buchmesse und im Hörbuch gehört habe, habe ich danach angefangen, die Charaktere anders zu schreiben, denn ich hatte dich im Ohr“. Das war natürlich ein wunderschönes Kompliment für mich. Mit Don Winslow war ich bereits mehrmals auf Lesereise . Auf der letzten Tour haben wir zusammen im Dialog gelesen. Das sind dann natürlich so Momente, die was ganz besonderes ausmachen.

Lesen Sie selbst auch gerne?

Ja, ich lese sehr gerne, in den letzten Jahren hauptsächlich das, was ich dann auch einlese. Für mich sind Bücher ganz wichtig, weil sie mir die Möglichkeit geben, in eine andere Welt einzutauchen und da zu verweilen. Ich kann mich einfach zurückziehen, in eine andere Welt – Weg vom Alltag. Bücher sind einfach eine wunderschöne Art – anders als Filme, aber genauso wichtig – in eine andere Welt einzutauchen. Außerdem hat Lesen auch etwas von Zeitlosigkeit.

Treffen auf der Frankfurter Buchmesse 2017!! Jens Henrik Jensen, Dietmar Wunder und Ich 🙂

Gerade bei Hörbüchern lesen Sie häufig Thriller. Welches Genre lesen Sie am liebsten? Haben Sie ein Lieblingsbuch/einen Lieblingsautor             

Also mein absolutes Lieblingsbuch ist „Homo Faber“. Ich mag die Geschichte und verbinde damit sehr viel. Ich muss gestehen, mir fällt es wahnsinnig schwer einen Lieblingsautor festzulegen, weil der Autor den ich lese, z.B. für ein Hörbuch, mein aktueller Favorit ist. Als ich zum Beispiel „Oxen“ eingelesen habe, habe ich gedacht: „Mensch, das ist so toll wie Jens Bücher schreibt, wie er Personen beschreibt und wie er Bilder malt. Das ist einfach großartig!“. Wenn ich  Don Winlsow lese, sage ich, seine Art zu schreiben ist wie eine Komposition, wie ein Rapp. Ich hab das Glück, dass ich über die Jahre ganz viele tolle Autoren kennengelernt habe.

Sie sind sowohl als Schauspieler, Moderator, Synchronsprecher, Sprecher für Hörbücher und Hörspiele als auch als Dialogregisseur aktiv. Wie ist es dazu gekommen, Ihre Stimme ins Zentrum Ihrer Arbeit zu stellen?

Ich war 19/20, hatte gerade Abitur gemacht und hatte mich schon früh für Schauspiel interessiert, hab aber nach der Schule dann eine Optikerausbildung angefangen. Ich habe abends weiterhin Schauspielunterricht genommen und hatte dann im Renaissance Theater in Berlin vorgesprochen. Der Dramaturgie Chef sah mich beim Vorspielen, und ich hatte wirklich noch nicht viel Erfahrung. Er sah mich und sagte, das und das fällt mir zu der Rolle ein, aber ganz ehrlich: Machen Sie was mit ihrer Stimme. Sie haben eine sehr markante Stimme! Ich hatte damals ja noch keine Ahnung, was mir bevor steht, dass es ein ganz ganz großes  Tätigkeitsfeld gibt, um als Schauspieler mit der Stimme zu arbeiten. Das war der ausschlaggebende Punkt.

Als Hörer hört man Ihre Emotion beim Vorlesen, die Emotion die durch das Geschehen oder die Figuren transportiert werden soll. Wie machen Sie das?

Beim Hörbuch ist es so, dass ich mir dir Geschichte wirklich selber vorlese. Wenn ich jetzt im Aufnahmestudio bin, oder in einer Live-Lesung, dann ist es so, dass ich nicht nur den Text lese, sondern in dem Moment lebe. Ich spiele die Handlung wirklich in meinem Kopf nach. Zu Gute kommt mir natürlich die Ausbildung als Schauspieler. Ich habe gelernt auf der  Bühne Rollen zu erarbeiten und zu spielen und auch die Arbeit beim Synchronisieren, welche ja sehr ähnlich ist. Hier muss ich mit der Stimme, den schauspielerischen Einsatz transportieren – das alles hat mir natürlich ermöglicht mit der Stimme als Handwerkszeug umzugehen. Das insgesamt beim Vorlesen im Hörbuch anzuwenden, ist die Technik mit der ich sozusagen arbeite.

Wie gelingt es Ihnen auch den Figuren eine eigene Tonalität zu geben?

Im Bearbeiten eines Hörbuchs habe ich im Vorfeld mir den Text und den Dialog angeschaut und habe bei jeder Figur jemanden vor Augen, oft sind es Schauspieler oder Leute, die ich kenne. Zum Beispiel: Es wird über einen kleinen, schmierigen Anwalt erzählt, etwas dicker mit Glatze und die ganze Zeit hibbelig. Da muss ich dann direkt an Danny Devito denken. Wie würde er das spielen? Wie würde er klingen? Ich gleiche dann also meine Stimme an die Figuren an. Ich hab immer Bilder bei den Dialogen im Kopf. 

Welches Hörbuch hat Ihnen in der Produktion am meisten Spaß gemacht?

Ganz viele haben mir sehr viel Spaß gemacht. „Shining“ hat mir zum Beispiel unglaublich viel Spaß gemacht, das war ein toller Trip durch diese Horrorgeschichte. Das hab ich im November aufgenommen, da war es grau und kalt draußen und auch im Studio war es sehr dunkel. Das war einer meiner Lieblingsproduktionen. Don Winslow macht wahnsinnig viel Spaß einzulesen, weil der Umgang mit den Texten wie eine Komposition ist. Aber auch „Oxen – Das erste Opfer“ war für mich wahnsinnig toll, da die Inszenierung hier Spaß gemacht hat. Die Hauptfigur ist ein sehr interessanter Anti-Held!

Vergessen Sie beim Vorlesen die Produktion? Können Sie Ihre Umgebung hier vollkommen ausblenden?

Ja, ich vergesse die Umgebung. Wenn ich im Studio bin, dann sehe ich zwar das Mikro, aber ich blende das wirklich aus. Bei einer Live-Lesung ist es so, dass ich wirklich mit dem Publikum zusammen auf eine Abenteuerreise gehe. Dann blende ich das Publikum nicht aus, sondern es ist mit mir in der Szene. Ich erlebe dann mit dem Publikum zusammen, den Film den ich gerade kreiere.

Sie sind auch Dialogregisseur – Welche Szene war für Sie hier bisher am schwierigsten umzusetzen?

Ich würde sagen, schwer gibt es eigentlich für mich nicht, sondern herausfordernd. Eine schnelle Szene zu lesen oder zu spielen, weil man vom Rhythmus her schnell sein muss – Das ist natürlich anstrengend und herausfordernd, da es wie Laufen/Rennen ist. Wenn eine gefühlsmäßige Szene kommt, wird es natürlich herausfordernd, weil man an Emotionen herangeht.

Gibt es ein Projekt auf das wir uns freuen können? Können Sie schon etwas verraten?

„Oxen – Das erste Opfer“ ist jetzt mein ganz aktuelles Projekt. Dann ist das neue Hörbuch „Verfolgung“ von David Lagercrantz jetzt veröffentlicht worden , das ist ein ganz tolles Projekt, weil es die Fortsetzung der Millennium-Saga um Michael Blomqusit und Lisbeth Salander ist. Worauf ich mich auch sehr freue ist „The Meyerowitz Stories“ mit Adam Sandler. Ein sehr untypischer Adam Sandler Film, der jetzt auf Netflix zu sehen ist. Außerdem bin ich am 24.11 in Hannover. Hier lese ich ausgewählte Literatur aus dem Gruselgenre.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Neuigkeiten und Infos gibt es auf der Homepage von Dietmar Wunder.

Bis bald, eure Momkki.

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