Nebel im August – Die Geschichte von Ernst Lossa

Hallo meine lieben Bücherwürmer,

heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass ein dunkeles Zeitalter der deutschen Geschichte beleuchtet. „Nebel im August“ von Robert Domes erzählt die Lebensgeschichte von Ernst Lossa, eines deutschen Jungen, der im Zuge des zweiten Weltkrieges Opfer des Euthanisierungsprogramms geworden ist. Das dritte Reich ist ein wichtiges Thema. Die verschiedenen Geschichten, Fakten und Standpunkte müssen beleuchtet und weitergetragen werden, damit der Schrecken und das Elend dieser Zeit nicht in Vergessenheit gerät. In „Nebel im August“ schafft es Domes, durch die Augen eines Kindes, diese verrückten und unmenschlichen Taten greifbar zu machen.

Inhaltsangabe der Verlagsseite:
Deutschland, 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von »Jenischen«, Zigeuner, wie man damals sagte. Er gilt als schwieriges Kind, wird von Heim zu Heim geschoben, bis er schließlich – obgleich völlig gesund – in die psychiatrische Anstalt in Kaufbeuren eingewiesen wird. Hier nimmt sein Leben die letzte, schreckliche Wendung: In der Nacht zum 9. August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Ernst Lossa wird mit dem Stempel »asozialer Psychopath« als »unwertes Leben« aus dem Weg geräumt.

 

Meine Bewertung:
Ernst stammt aus einer Familie fahrender Händler. Während seine Mutter schwer erkrankt, kommt er mit seinen zwei Schwestern in ein Heim nahe Augsburg. Dort verbringt er die ersten Jahre seiner Kindheit. Das Heimleben ist schwierig. Die Großen erpressen die Kleinen und stiften diese zum Stehlen an. Einmal angefangen, kann Ernst seine Finger nicht mehr bei sich behalten. Obwohl ihm seine Langfinger immer wieder in Schwierigkeiten bringen, häuft sich sein „Schatz“ weiter an – bis dieser ihn in ein Heim für „Schwererziehbare“ bringt. Ernst wäre gern ein „ordentlicher, deutscher Junge“ und versteht nicht, was ihn zu einem „Zigeuner“ macht. In den Heimen herrschen schlechte und menschenunwürdige Zustände. Zustände, die ihn dazu bringen weiter zu klauen oder andere Gefälligkeiten zu erfüllen. Von Heim zu Heim wird seine Krankenakte schlimmer, bis er schließlich in der Psychatrie landet. Ernst ist 14 Jahre alt, körperlich und geistig gesund und in einer Irrenanstalt, weil er nirgendwo sonst reinpasst. Oft erfüllt einem die Geschichte um Ernst mit Fassungslosigkeit, Unglaube, Ohnmacht und Traurigkeit. Man fragt sich, wie ein einzelner Mensch sowas ertragen kann. Mich hat die Geschichte tief berührt, da sie einem aufzeigt, unter welchen Bedingungen die Menschen, die damals mit dem Stempel „unwertes Leben“ gebranntmarkt wurden zu leiden hatten. Und trotzdem war Ernst ein starkes Kind, dass lange an seinen Glauben an eine bessere Zeit und Welt gehalten hat.
Neben der Geschichte enthält diese Ausgabe Fotografien aus dem Film, der unter gleichem Namen veröffentlicht wurde. Zudem findet der Leser im Anhang eine Zeittabelle, mit allen für die Handlung wichtigen Daten. Außerdem beschriebt Domes seinen Rechereprozess.
Ich kann jedem dieses Buch nur ans Herz legen. Es gibt tiefe Einblick in die damalige Zeit. Der Schreibstil von Domes hat mir sehr gut gefallen. Zu Anfangs kurze und kindliche Sätze, welche mit zunehmenden Alter von Ernst „erwachsener“ werden. Auch wenn man den Klappentext kennt, hofft man, dass es Ernst irgendwie schafft. Insgesamt bekommt das Buch 5/5 Punkten.

Bis bald, eure Momkki.

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