Alles auf Neuanfang: Clueso auf der lit.Cologne

Hallo meine Lieben!

Die lit.Cologne ist voll im Gange – bei mir ging es am Donnerstag (09.03) auf der Volksbühne am Rudolfsplatz los mit Clueso. Der Ein oder Andere fragt sich jetzt: Clueso? Aber der singt doch?

Genau! Und er textet. Erfolgreich und zeitgemäß. Bei der Veranstaltung Nr. 11 „Herzlich willkommen: Neuanfang! Clueso spricht über seine Songs“ geht es nämlich genau um das Texte, Schreiben, Dichten und Jammen. Und natürlich um den Künstler selbst.

Die Volksbühne am Rudolfsplatz ist eine kleine Theaterbühne. Ich schätze mal, es passen ungefähr 200 Leute in den Saal. Wie es zu erwarten war, war die Veranstaltung mit Clueso innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Der Abend schwankt also zwischen einem „unpluged“- und „Clueso hautnah“-gefühl. Moderiert wurde von Jochen Rausch, ein deutscher Autor, Musiker und Journalist.

Bevor der Abend begann, hatte ich noch keine wirkliche Vorstellung. Wird nur geredet? Werden die Zeilen des neuen Albums „Neuanfang“ interpretiert, wie in meinen verhassten Deutschstunden? Relativ schnell wurde klar: Es wird nicht nur geredet, es wird auch gesungen. Und das natürlich live, in Farbe und akustisch nur begleitet von Gitarre und Saxophon.

Als Einstieg ging es um Cluesos Herkunft und Schulausbildung. Hier sagt er, Köln sei seine Wahlheimat. „Ich bin Künstler aus Notwehr“, so Clueso. „Ich hab ein Hauptschulabschluss – Das deutsche Schulsystem kam nicht so klar mit mir.“ Er berichtet von Gesprächen mit Eltern und Freunden – und davon, dass seine ersten Texte auf Pizzaschachteln geschrieben wurden. Genau daher stammt auch der Song „Pizzaschachteln“ von dem Album „Gute Musik“ (2004).

Weiter geht’s mit Heute, sprich: Wo steht Clueso jetzt? Hier berichtet er über die Trennung von seiner Band, was ihm dabei schwer gefallen ist und warum er sich nach so langer Zeit lösen musste.
„Mit 19 […] war ich dann plötzlich so ne Art Chef, und wenn man dann sein eingener Chef ist und Chef für Leute, hat man viel Versprechen die man gibt, die man auch bricht […] und ich hatte kein Bock wieder ein Versprechen zu geben. Und die Trennung […] hat so weh getan, ich mach das jetzt bevor der Schmerz nachlässt – und dann hab ich mich von meinem Management getrennt […] und bin aus der WG ausgezogen […]. Ich hatte zwei Firmen und habe das quasi gequittet und einen Neuanfang gewagt. Ich sags nicht gern so laut, aufgrund der tollen Zeit, aber mir geht’s gut.“.

Nun geht es zurück zu den Wurzeln. Rausch: „Was war der Grund, waren Mädchen der Grund, warum du Musik gemacht hast?“
Clueso: „Also es gab verschiedene Antriebe, […] irgendwie war das schon auch ein Antrieb.“ So weit, so gut. Aber warum, singt Clueso eigentlich auf Deutsch und nicht auf Englisch? Er erzählt, nach einigen Proben, wurde ihm schnell klar, Englisch ist nicht so sein Ding. Rausch: „Würdest du Männern raten bei Liebeserklärungen Anglizismen zu verwenden, oder sprachlich im deutschen zu bleiben?“
Clueso: „Wenn Manns vermeiden kann…, das kommt ein bisschen straighter.“
Dabei ist Deutsch schwer. Die Wörter sind klingen nicht gut, es ist sehr anspruchsvoll zu reimen. Clueso empfindet texten auf Deutsch „wie Kreuzworträtsel lösen“. Wichtig für ihn, ist ein guter Klang.  Dabei sagt er klar: „Es ist schon klingonisch, wenn man anfängt zu schreiben.“

Wenn man schreibt, und seine Anfänge macht, sind Vorbilder unheimlich wichtig. Zuerst war da viele Hip Hopper und deutscher Rapper, an denen er sich orientiert hat. Dann später kam eine Legen der deutschen Musikszene hinzu.  Auch wenn er den Künstler erst auf dem Höhepunkt seiner Karriere kennengelernt hat, Udo Lindenberg ist DAS Vorbild. Clueso über Lindenberg: „Wenn man Songs schreibt, so einfach zu sein wie Udo – eine Figur zu entwickeln, die von A nach B schreitet und du der folgen kannst –  ist verdammt schwierig.  Es hat sich alles dieser Geschichte unter geordnet. “ Die gemeinsame Arbeit zum Remake von „Cello“ wird ein Meilenstein seiner Karriere und bewegt einiges in seiner musikalischen Entwicklung.

Ein Thema, das ebenfalls sehr wichtig für Clueso ist, ist das Thema Heimat. Auch wenn Clueso Köln als seine Wahlheimat bezeichnet, so hat er doch den (bisherigen) Großteil seines Lebens im Osten verbracht – und davon einige Zeit HINTER der Mauer. Clueso spricht über den Osten, seine Heimat Erfurt, das Leben vor und nach der Wende. Er berichtet über Ängste, die dort ausgestanden werden, Gemeinsamkeiten und politische Gefühle. Auf die Frage von Rausch, ob nationalsozialistische Gefühle im Osten eher entwickelt würden, und wie Clueso darauf reagiert, sagt er von sich „Ich bin so unwissend, um wirklich Sachen rauszuhauen. […] Es hat mich angekotzt gegen was zu sein. “ Er habe sich also dafür eingesetzt FÜR etwas zu sein. Und das gibt er in seinen Songs wieder. Darauf hin spielt er einen Song von Puhdys „Wenn ein Mensch lebt“.

Abschließend wird nochmal das Texten thematisiert.  Rausch: „Wann merkst du, dass ein Song fertig ist?“ Clueso: „Wenns immer schlimmer wird[…]. Meistens hapert es nicht an der Sprache, sondern an der Geschichte.“ Die Geschichte muss zu ihm gehören, dann klappt es auch mit dem zusammenfügen von Melodie, Geschichte und Text.

Mich hat der Abend sehr beeindruckt. Es war ein faszinierendes Zusammenspiel von Rausch, Clueso und Publikum. Nicht alleine deswegen, weil die richtigen Fragen gestellt wurden. Clueso hat ein richtig komödiales Talent und dem Publikum immer wieder Lacher und tosenden Applaus abgenommen. Und wenn selbst Ursula Stratmann schallend durch das Theater lacht, hat man alles richtig gemacht. Man spürt: Clueso hat den Lebensraum Bühne ganz für sich antizipiert. Er redet mit so viel Gelassenheit über sich, seine Welt und seine Werke, bringt immer wieder coole Sprüche, schafft es aber dennoch wie  „der Typ, von nebenan“ zu wirken. Und diese Nähe hat mich richtig umgehauen. Es war eine bomben Atmosphäre!! Danke, Clueso, Rausch und lit.Cologne für so einen tollen Abend.

Bis bald, eure Momkki.

P.S.: Wer noch mehr zu dem Event lesen möchte: Folgt dem Link, zum Artikel im Kölner Stadtanzeiger  🙂

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